Digital Business: Interview mit Enterprise-2.0-Berater Andreas Schulze-Kopp

Social Business | 1 Kommentare | von Claudia Hilker

Wie funkioniert Beratung im Digital Business? Andreas Schulze-Kopp ist Enterprise 2.0 Berater und hat mir im folgenden Interview Einblicke in seine Arbeit sowie seine Gedanken zu Leadership 2.0 und dem digitalen Business gegeben.

Digital Business: Interview mit Enterprise 2.0 Berater Andreas Schulze-Kopp

Digital Business: Interview mit Enterprise 2.0 Berater Andreas Schulze-Kopp

Herr Schulze-Kopp, stellen Sie sich bitte kurz unseren Lesern vor. Was machen Sie beruflich?

Mein Name ist Andreas Schulze-Kopp und ich bin als Enterprise 2.0 Berater tätig. Ich begleite Unternehmen auf ihrem Weg zum Social Enterprise und versuche sie für die sich rasant verändernde Kommunikation  zu begeistern und vom Mehrwert für ihr Unternehmen zu überzeugen. Aber ich möchte auch auf einen wichtigen Zusammenhang hinweisen, welcher für mich ohne Frage zwischen Enterprise 2.0 (intern) und Social Media (extern) besteht. Dieser Zusammenhang wird oftmals nicht gesehen und so betreibt man nicht selten einen doppelten Aufwand in den Unternehmen. Enterprise 2.0 und Social Media sind unmittelbar miteinander verbunden. Langfristig werden die Unternehmen den größten Nutzen durch ihre Social Web Aktivitäten haben, die beide Disziplinen miteinander koppeln. Ein erfolgreiches Social Business ist eines mit der Formel „Enterprise 2.0 + Social Media = Social Business.“

1.  Was treibt Sie im digitalen Umfeld an?

Was mich antreibt sind meine Euphorie und die Überzeugung daran, dass Unternehmen viel mehr aus ihren Möglichkeiten machen könnten. Sie müssten nur dabei zuhören, wenn es ihnen jemand sagt und sie dann dabei unterstützen möchte.

2.  Seit wann sind sie darin tätig und wie sind Sie dazu gekommen?

Im Bereich Web bin ich schon viele Jahre tätig. Privat bin ich seit vielen Jahre als Webmaster meines ehemaligen Wasserballvereins tätig, was zum einen die Betreuung der Webseite angeht, aber in den letzten Jahren immer mehr auch die „Bespielung“ der sozialen Netzwerke. Beruflich war ich seit meinem Einstieg bei der IBM im Jahre 1998 ständig mit IT, Web und Kommunikation beschäftigt. Besonders natürlich in den letzten Jahren als Webmanager bei der IBM Deutschland, wo wir für die inhaltlichen und konzeptionellen Dinge der IBM Webseiten verantwortlich gewesen sind. Auch hier haben die Social Networks immer mehr Einzug gehalten, welche wir dann mit Leben gefüllt haben.

3.  Was waren Ihre ersten Projekte und die Learnings?

Die ersten Projekte waren die Social Media Plattformen bei der IBM Deutschland. Besonders hervorheben möchte ich hier den IBM Experten-Blog „Blue Blog“ mit Facebook, Twitter und  Google+. Welche übrigens heute noch, fast in der Form wie ich sie damals aufgesetzt habe, existieren. Das macht mich dann schon stolz. Gerade beim IBM Corporate Blog hat man schon damals gesehen wie riesig das Potential ist. Wir haben aber damals auch lernen müssen, dass es ein Unterschied ist wenn Leute davon ‚lediglich‘ begeistert sind oder ob sie sich aktiv als Blogger beteiligen. Schon damals haben wir gesehen, dass Menschen sich nur dann aktiv beteiligen wenn sie den persönlichen Nutzen sehen. Wenn sie ihren Arbeitsalltag besser und effizienter gestalten können. Und ich habe aber auch noch etwas anderes aus dieser Zeit gelernt. Man muss auch mal etwas wagen, wenn man vom Erfolg  überzeugt ist. Man muss an das was man tut glauben und andere versuchen davon zu überzeugen. Aber Erfolge kommen nicht über Nacht und es bedarf eines teilweise langen Atems. Die Geduld diese Dinge durchziehen zu können, muss aber auch vom Unternehmen geduldet und mitgetragen werden. Man muss einfach am Ball bleiben (dürfen).

4.  Welche Vor- und Nachteile ziehen Sie aus dem Einsatz von Enterprise 2.0 Tools?

Ich kann aus meiner Perspektive keine oder nur wenige Nachteile durch die Nutzung von Social Business Werkzeugen erkennen. Nun mag das aus Sicht eines Befürworters logisch klingen, aber ich denke wenn man den Unternehmen und deren Verantwortlichen die Vorzüge im Kontext zu ihren Unternehmenszielen aufzeigt, wird auch dort die Akzeptanz schnell steigen. Und zum Thema E-Mail ist ja bereits vieles, wenn nicht sogar alles gesagt. Man wird sie langfristig nicht abschaffen können und das ist auch völlig ok. Es gibt einfach Dinge, die man per E-Mail erledigt und das wird auch so bleiben. Oftmals schon alleine aus rechtlicher Sicht. Es geht aber bei allen aktuellen Kommunikationswegen darum, fallbezogen den richtigen Weg auszuwählen. Es muss nicht nur ein Umdenken stattfinden was die E-Mail betrifft, sondern die Medienkompetenz muss generell gefördert werden. Wann schreibe ich eine E-Mail, wann chatte ich mit meinen Kollegen und wann rufe ich besser an. Es klingt zwar trivial, ist aber oftmals der Grund für zu viel E-Mails, Überstunden und eine schlechte Work-Life Balance.

5.  Was sind die Hürden und Probleme?

Die erste Hürde ist oftmals, dass Social Vorhaben (egal ob intern oder extern) nicht die nötige Rückendeckung bekommen. Wenn die Geschäftsführung voll dahinter steht und mit gutem Beispiel voran geht, werden viele nachfolgende Schritte wesentlich einfacher.

6.  Welche Tipps haben Sie für Unternehmen oder Berater?

Es gibt weder beim Thema Social Enterprise noch bei Social Media ein Patentrezept. Denn viele Unternehmen machen es sich sonst unter Umständen zu einfach oder machen es sich durch unnötige Komplexität zu schwer. Jedes Unternehmen ist individuell und genauso individuell werden die Anforderungen und späteren Lösungen sein. Egal ob extern auf Facebook, Twitter oder einem Corporate Blog oder intern auf einem Social Intranet. Das Erarbeiten von Use Cases auf jedes Unternehmen und den Arbeitsalltag jedes Mitarbeiters zugeschnitten, zeigen oft am ehesten den Mehrwert auf.  Wie gesagt: Es gibt kein Patentrezept.

7.  Wie trennen Sie Beruf und Privat-Leben? Oder sind die Übergänge fließend?

In der Tat ist es so, dass sich die Übergänge zunehmend fließend gestalten. Was ich aber nicht als Problem oder negativ betrachte. Dabei muss ich immer an einen Satz von Ibo (Ibrahim Evsan) denken, den ich vor Jahren mal bei einer Keynote von ihm gehört habe. „Ich versuche meinen Arbeitsalltag so zu gestalten, dass es sich nach Freizeit anfühlt. Wenn ich das was ich mache gerne mache, fühlt es sich nicht nach Arbeit an“. Man sollte also versuchen die Dinge im Leben zu machen die einem am meisten Spaß machen und geben. Dann ist Arbeit auch keine Belastung.

8.  Was sind die häufigsten Fehler, die zum Scheitern im digitalen Business führen?

Das oft nicht das „große Ganze“ gesehen wird und das den Zusammenhängen zwischen intern und extern nicht genügend Beachtung geschenkt wird. Auch wenn eine bis ins Letzte ausformulierte Strategie nicht zwingend von Beginn an vorliegen muss, sollte dennoch eine Vision durch die Geschäftsführung formuliert und an die Mitarbeiter kommuniziert werden.

9.  Was ist Ihrer Meinung nach für Manager im Digital Business besonders wichtig?

Loslassen zu können, sich selbst nicht für so wichtig zu nehmen und sich auf die sich veränderten Bedingungen einzulassen. Führungskräfte haben heutzutage oftmals schon nicht mehr die Rolle zu führen, sondern mehr die Mitarbeiter und die Kommunikation zu moderieren. Oftmals wird in diesem Zusammenhang vom Leadership 2.0 gesprochen, welcher auf genau diese geänderten Ansprüche an Führungskräfte eingeht.

10.  Welche Tipps würden Sie einer neuen Führungskraft im Digital Business geben?

Ich glaube nicht, dass man einer neuen Führungskraft in der heutigen Zeit Tipps zum Digital Business geben muss. Es wären in jedem Fall weniger Tipps und andere Tipps, denn Führungskräfte die heute in eine solche Position kommen haben einen ganz anderen Background und ein ganz anderes Verständnis für Zusammenarbeit. Die Arbeit mit sozialen Medien ist daher oftmals weniger das Problem, als die Tugenden die eine ältere Führungskraft mitbringt. Da wäre eine „Kreuzung“ oder ein Austausch der Kompetenzen zwischen dem klassischen und modernen Manager der Optimalfall.

11.  Welche neuen Anforderungen nehmen Sie wahr in der digitalen Arbeitswelt?

Eine wichtige Anforderung, die aktuell immer wichtiger zu werden scheint, ist die auch mal abschalten zu können. Damit meine ich sowohl die Gerätschaften, die man mit sich rum schleppt, als auch sich körperlich und seelisch Auszeiten zu nehmen.

12.  Was würden Sie heute anders machen, wenn Sie Ihr Leben nochmals leben könnten?

Im Grunde genommen nicht viel. Außer der Tatsache, dass ich beim zweiten Mal auf meine Mutter hören würde, wenn es um schulische Dinge geht. Rückblickend sieht man einige Dinge immer anders, aber ich denke das geht fast jedem so. Aber spätestens seit die Kinder in der Schule sind, kommen die späte Einsicht und die Hoffnung, dass sie es besser machen als man selbst.  Erfahren Sie mehr über Andreas Schulze-Kopp und seine Tätigkeiten auf www.schulzekopp.de

Mehr Beiträge zum Thema

  1. Leadership braucht neue Kompetenzen
  2. Vortrag: Digital Leadership
  3. Enterprise 2.0 braucht die Führungskraft 2.0
  4. Arbeitswelt 2030: Trends und Prognosen
  5. Workshop: Digital Leadership
Tags: ,

Kommentare

  1. Pingback: Digital Business: Interview mit Andreas Schulze...

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Sie k$ouml;nnen diese HTML Tags und Attribute verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>